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Sehen und (nicht) gesehen werden

Über Folge Sehen und (nicht) gesehen werden

Das heutige SeelenFutter (täglich per WhatsApp oder Mail) sah heute so aus:


Schöne Frau beim Sonnenbaden …

    .

... Nicht die …. die Andere!!  


Du hast die Frau im Sand fast übersehen, oder?  

Nicht gesehen werden – ist ein großes Thema in vielen Biografien.

Mal ehrlich: Nicht jeder von uns polarisiert, ist "der große Macher" oder in einer Gruppe gut präsent. Es gibt Menschen, die still mitlaufen, sich eher im Hintergrund halten. Wie ermutigend ist dann dieser zentrale Satz einer biblischen Erzählung, die im 1. Buch Mose 16,10 überliefert wird:

"Du bist ein Gott, der mich sieht."


Dieser Satz stammt von der Ägypterin Hagar, einer Frau, deren Namen man nur weiß, weil sie die Sklavin von Abraham und Sara war. Und weil sie dann die Mutter von Abrahams erstem Kind geworden ist.  

Hagar war vielleicht eine wunderschöne und kluge Frau! Doch als Sklavin hatte sie kaum Rechte, fand kaum Beachtung und bekam wenig Anerkennung und Wertschätzung. Sie musste "funktionieren"! Einfach möglichst nur schnurstracks und kommentarlos das erledigen, was ihr jeweils gerade aufgetragen wurde. 


Aber dann blieben Abraham und seine Frau Sara kinderlos, obwohl sie sich sehnlichst Kinder wünschten. Wer sollte denn schließlich all ihren Besitz, ihr Hab & Gut erben und den Hof weiterführen … Piiiing!!! Da kam Sara die Idee: Soll doch der Abraham mit Hagar ein Kind zeugen! Vielleicht klappt das so? Als Sklavin hatte Hagar noch nicht mal Rechte an ihrem eigenen Kind. Jetzt musste sie sich also auch noch prostituieren und mit Abraham ins Bett gehen. Wie furchtbar! Auch wenn Zwangsehen damals gang und gäbe waren, ob das diese jedoch besser macht, bezweifle ich. Wie oft sie Sex hatten, keine Ahnung … Fakt ist: Hagar wurde tatsächlich schwanger. Sie trug nun ein Baby von Abraham in sich, das ihre Herrin (was für ein ekliger Ausdruck, aber ist ja so) leider nicht selbst bekommen konnte.

In der eifersüchtigen Sara brodelte es. Anstatt Hagar dankbar zu sein, wurde diese nun unter Saras Fuchtel nur noch mehr gequält. Hagar hielt dieses Leben eines Tages nicht mehr aus und haute daher ab in die Wüste. Dort, so steht es in der Bibel, traf sie einen Engel.

Folgendes Gespräch entsteht: "Woher kommst du? Wohin gehst du?" "Ich bin meiner Herrin davongelaufen", antwortete sie. Da sagte der Engel: »Geh zu deiner Herrin zurück und ordne dich ihr unter! Der Herr wird dir so viele Nachkommen geben, dass sie nicht zu zählen sind. Du wirst einen Sohn gebären und ihn Ismaël (Gott hat gehört) nennen; denn der Herr hat deinen Hilferuf gehört." (1. Mose 16,10-11)

Hagar wusste, dass Gott durch diesen Engel sprach. Sie antwortete und sprach Gott mit seinem Namen an: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ (1. Mose 6,13) Und … ja, sie kehrte um und ging zurück in ihr altes Leben. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber mir fällt es schwer, das nachzuvollziehen! Zurückgehen und als Sklavin arbeiten? Mein Kind diesen Leuten überlassen?? Aber was wäre (damals) eigentlich wohl eine bessere Alternative gewesen?

Unsere Zeit, unser Denken, unsere Kultur heute kann man nicht im Geringsten mit damals vergleichen – soviel steht fest. Was mir auffällt ist, dass Hagar verändert zurück zu Abraham und Sara ging. Sie ging innerlich gestärkt zurück, sie hatte Selbstvertrauen gewonnen und war sich zutiefst bewusst: „Gott, der mich sieht“ ist da.


Sie wusste: sie wird gesehen und sie wird gehört. Sie bekam einen gesunden Jungen und er bekam den Namen Ismaël. Der bedeutet: "Gott hört". 

Gott sah diese Frau, den Menschen hinter der Sklavin … und er ließ sie zum Segen werden!


Für Gott war Hagar niemals unsichtbar!


Wenn Du das Thema vertiefen möchtest, dann lies selbst, wie es mit Abraham, Sara, Hagar und Ismaël weiter ging.

 

Im Psalm 139 steht: „Herr, du erforschst mich und kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege… Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Psalm 139, 1-5)


Einen Menschen in seiner Tiefe wahrnehmen, ihn mit den Augen Gottes ansehen, darin muss Jesus ein Meister gewesen sein! 

In der Bibel wird ständig davon berichtet, wie er hinschaute und Leute wahrnahm, an denen andere achtlos vorbei gingen oder auf die sie verächtlich herabsahen! Da fällt mir z.B. das Erlebnis mit Zachäus ein. Er war ein Zöllner, sogar der Chefzöllner und auch als Gauner bekannt. Er zog Leute über den Tisch. Du kannst die Geschichte im Lukas 19, 1-10 lesen.


In Kurzform: Zachäus hatte gehört, dass Jesus in die Stadt kommen würde. Doch nicht nur Zachäus hatte das mitbekommen, sondern noch ganz viele andere Menschen. Demzufolge herrschte totales Chaos in der Stadt! Die Straßen in Jericho waren voll mit Menschen, dichtes Gedränge und kein Durchkommen. Zachäus war ein relativ kleiner und cleverer Mann. Er bekam eine zündende Idee und kletterte kurzerhand auf einen Baum, auf einen „Maulbeerfeigenbaum“. Denn er wollte unbedingt Jesus sehen! Ich glaube, es ging ihm gar nicht mal darum, selbst gesehen zu werden. ER wollte Jesus sehen! Als Jesus dann die Straße entlang kam, entdeckte er jedoch prompt Zachäus oben auf dem Baum und was rief er ihm zu??!  

»Zachäus, komm schnell herunter! Ich möchte heute gerne dein Gast sein!«

Zachäus, natürlich total begeistert, kletterte schnell herunter und ging mit Jesus zu sich nach Hause! Köstlich! Denn die aufgebrachte Meute schimpfte mächtig: "Bei diesem Gauner will er zu Besuch sein???!"


Jepp = Typisch Jesus! Da lud er sich also bei diesem – sorry, aber ist wohl so – Giftzwerg ein, der Leute erpresste und um ihr Geld betrog. Klar wusste das Jesus und trotzdem setzte er sich mit ihm an einen Tisch! DAS ist es, was mich an Jesus immer wieder begeistert! Mich würden ja mal die Facebookkommentare interessieren, die auf so ne Meldung wie: "Jesus isst mit Betrügern!" kommen würden. Ich kann gut verstehen, dass man dann auf den Gedanken kommt: "Ey, ich versuche so korrekt wie möglich zu leben – so richtig Jesuslike und dann kommt der und hockt sich zu denen, die die totalen Abzocker sind! Ja. Nee. Is klar, ne?!" 


Warum tat das Jesus???

Ich glaube, Zachäus hatte morgens beim Zähneputzen nicht im Geringsten damit gerechnet, dass Jesus am gleichen Tag noch bei ihm am Tisch sitzen würde. Er war über dessen Besuch also völlig perplex und was sagte Zachäus dann zu Jesus??? Pass auf! Jetzt kommt es! Er sagte doch tatsächlich: „Die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen, und wenn ich von jemandem etwas erpresst habe, will ich es vierfach zurückgeben.“

Gesagt. Getan. WAS ist das bitte für eine Lebenswende???!

Also ich wette; Jesus wusste, dass Zachäus so reagieren wird. Und er sagte daraufhin: „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, denn auch Du bist ein Sohn Abrahams.“ Im Klartext: Auch Zachäus wurde von Gott wertgeschätzt und gesegnet. Und weil dieser Mensch auf diese Weise gesehen worden war, konnte er ein anderer werden.

Für Gott war Zachäus niemals unsichtbar!


Wie muss sich diese Lebenswende für Zachäus eigentlich Jahre später angefühlt haben? Ich glaube: richtig gut!

Ich überlege, ob ich zum Vergleich ein Erlebnis aus meinem Leben ranziehen kann. Vielleicht das hier: Ich habe früher, mit etwa 16 Jahren, zwei Mädchen geärgert, um mich stärker und cooler zu fühlen. Die eine war übergewichtig und ich hab schön in den Wunden gebohrt, "dicke Kuh" und so … ekelhaft! Das andere Mädchen war in meinem Augen ein "Mamakind" … Mama hier, Mama da …. ich hatte damals keine Familie und mein Neid brachte mich dazu, sie ungerecht zu behandeln und zu beschimpfen! Wie gut fühlt es sich an, dass ich heute sagen kann: "Ja, da war ich ein ekelhafter Mensch! Ich war sooo mies und heute liebe ich die Menschen, wie sie sind!!" Zumindest versuche ich es … Ich bin nicht stolz darauf, dass ich so drauf war, aber ich bin stolz darauf, mich völlig verändert zu haben! Ich möchte es heute besser machen. Ich möchte Menschen ermutigen, sie sehen – gerade wenn sie sonst oft keiner sieht. 

Für Gott war ich niemals unsichtbar!


Fast genug der Worte, ich möchte Dir noch sagen:

Wenn Du den Einduck hast, ein Mensch zu sein, der nicht gesehen wird, der übersehen wird, dann: werde ein Mensch, der andere sieht! 

Wenn Du das nächste Mal draußen unterwegs bist, achte doch mal gezielter auf Menschen, die eher unscheinbar sind. Schenk ihnen ein Lächeln, einen Blick, der vermittelt: "Ich seh Dich!" Ob es nun der Obdachlose ist, der an der Kreuzung steht und um eine kleine Spende bittet oder ob es die Frau beim Bäcker ist, die hinter dem Tresen steht und gestresst einen Kunden nach dem anderen bedienen muss. Die Leute schauen sich die Leckereien in der Theke an … doch wer sieht die Frau, die ihnen die leckeren Sachen einpackt?! Vielleicht klingt das jetzt abgefahren fromm, aber ich finde es ist toll, wenn man ein kurzes Gebet für sie nach oben schickt, während sie die Brötchen und den Streuselkuchen einpackt. 


Das war's … sei gesegnet und vergiss nicht:


Für Gott bist Du nicht unsichtbar!


Und für mich gilt: 


Bis denne!
Deine Mandy

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